“In die Kraft kommen”
Bei der Vintschger Typenlehre ist es nicht wichtig, welcher Typ man ist, sondern - wie Oma es immer ausdrückte - ob man “in der Kraft” ist oder nicht. Doch was bedeutet es, als Typ „in der Kraft“ zu sein? Laut dem Weltbild meiner Ahninnen steht dieser Ausdruck dafür, sich selbst und seinen Typ anzunehmen. Doch wir können uns der Stärken des eigenen Typs bewusst werden und fördern, sowie die Schwächen ehrlich anschauen und daran arbeiten.
Sardinien, Lagune bei Baia Agumu
Im Laufe eines Lebens kann man den Typ nicht verändern (dazu ein anderes Mal mehr), aber ich kann meine Stärken ausbauen und an meinen Schwächen arbeiten.
Wie baue ich Stärken aus?
Eine Sonne kann sich ihrer Art, Begeisterung nicht nur zu empfinden, sondern auch auszulösen, sehr wohl zunutze machen, indem sie diese Gabe in ihrem Beruf einsetzt oder sogar in ihre Berufswahl miteinschließt;
wie der Vollmond die Sanftheit, die er ausstrahlt,
die Sonnenfinsternis ihre natürliche Gabe des Strukturierens
und der Neumond seine Fähigkeit, klar die Dinge anzuschauen und auch zu benennen.
Wie arbeite ich an meinen Schwächen?
Und was ist damit gemeint, dass sie der eigenen Weiterentwicklung dienen? Auch hier können wir nur Beispiele nennen:
Der Neumond muss sich darüber im Klaren sein, dass er bei Weitem nicht so transparent ist, wie er manchmal selbst meint. Für ihn gilt: Er sollte auf Leute zugehen und zu kommunizieren, statt nur die beiden Methoden des Rückzugs oder Wutausbruchs zu nutzen. Das isoliert ihn weniger und hilft ihm, sich weniger unverstanden zu fühlen.
Da es eher unwahrscheinlich ist, dass die Sonne nicht auffällt, gilt für sie vielmehr, auch anderen einen Platz zu lassen. Damit verringert sie den Neid derjenigen, die das gerne auch hätten, es aber nicht so in die Wiege gelegt bekommen haben, sich in Szene zu setzen. Und gleichzeitig verausgabt sie sich nicht so sehr, denn ständig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, ist ermüdend.
Die Sonnenfinsternis neigt dazu, alles zu zerdenken und zu zerreden. Es ist gut, wenn sie versteht, dass auf dem eigenen Schiff der Kapitän die Seele und nicht der Kopf ist. Dieser ist der Steuermann – unbestritten wichtig in seinem Bereich, aber begrenzt in seinem Einfluss. Genauso wie Worte nicht alles ausdrücken und lösen können. Wenn sie das versteht – und das ist bei einer Sonnenfinsternis ein wichtiger Schritt: erkennen und akzeptieren –, dann kommt sie mehr ins Gefühl und quält sich auch weniger.
Vollmonde überlassen gerne anderen die Verantwortung, ärgern sich dann aber darüber, dass über sie hinweg entschieden wird. Es ist ratsam für sie daran zu arbeiten, ihre Schüchternheit zu überwinden und ihre „Unschuld“ aufzugeben, denn wer Verantwortung übernimmt, trägt auch die „Schuld“ an den Konsequenzen und ist kein Opfer davon. Das Aufgeben der Opferhaltung bringt den Vollmond dazu, viel mehr zum „Schmied des eigenen Glücks“ zu werden und vom Jammern zur Handlung zu kommen.
Schritte, mit denen man in die Kraft kommt
Das Konzept, in der Kraft zu sein oder zu kommen, ist bei der Vintschger Typenlehre so wichtig, dass wir es in dieser Woche noch einmal aufrollen. Hier die von uns empfohlenen Schritte, wie du in die Kraft kommen kannst!
Schritt Nr. 1: In die Kraft zu kommen, heißt, sich genau den eigenen Typ anzuschauen und seine Stärken und Schwächen zu erkennen. Diese Stärken und Schwächen der vier Typen haben wir in unserem Buch „Die Vintschger Typenlehre – Sich selbst und andere besser verstehen“. Dort könnt ihr nachschauen, welche Stärken und Schwächen auf euch zutreffen.
Schritt Nr. 2: Am besten ist es, auch das eigene Umfeld zu befragen, also die Leute, die einen kennen, wie sie einen sehen. Denn manchmal hat man blinde Flecken und erkennt gar nicht, welche Stärken oder Schwächen man hat (oder glaubt zu haben, aber gar nicht so hat).
Schritt Nr. 3: Man sollte sich bei den anderen Typen genau das abschauen, wo sie gut sind und man selbst noch lernen kann.
Wir können alle voneinander lernen und uns ergänzen.
Dem Vollmond tut gerade die Abgrenzung des Neumondes gut,
dem Neumond, dass Gefühle nach außen zeigen auch eine Stärke sein können.
Der Sonnenfinsternis kann die Sonne zeigen, dass Lob und Anerkennung durchaus angenommen und genossen werden können, während
die Sonnenfinsternis der Sonne auch die Welten hinter dem Strahlen und damit eine ungeahnte Bandbreite von Möglichkeiten aufzeigen kann.
Das ließe sich jetzt unendlich weit fortsetzen. Jeder Typ hat gerade da Stärken, wo der andere Schwächen hat und umgekehrt. Somit kann das „Andere“ als Reichtum aufgefasst werden und die Typen können im gegenseitigen Respekt aufeinander zugehen.
(Die Vintschger Typenlehre, Buch)
Zwar werden wir nie so gut sein wie der Typ selbst, aber darum geht es nicht. Vielmehr geht es darum, optimal als der jeweilige Typ “in die Kraft zu kommen”.
Gerade der dritte Schritt dient dazu, die zwischenmenschlichen Beziehungen zu verbessern. Man beginnt, die Stärken des anderen zu erkennen, lobt sie und gibt dem anderen das Gefühl, in seiner Art wertvoll zu sein. Man hört auf, die anderen “nach der eigenen Nase” zu beurteilen und von ihnen zu erwarten, gleich zu fühlen, zu denken und zu handeln. Es kann uns “befrieden” zu wissen, dass das Gegenüber dieser oder jener Typ ist, ob er einen “in der Kraft” erscheint oder nicht. Meint ihr nicht auch?
Dieser Beitrag ist in der ehemaligen Homepage vintschger-typenlehre.com am 10. und am 17.11.2017 erschienen. Die beiden Blogbeiträge wurden zusammengefasst und abgeändert.