Die vier Temperamente
Gibt es etwas, mit dem die Vintschger Typenlehre verglichen werden kann? Das werde ich häufig gefragt. Ja, gibt es. Am ehesten mit der griechischen Vier-Säfte-Lehre. Da wird unterteilt in Sanguiniker, Choleriker, Melancholiker und Phlegmatiker.
In diesem Beitrag möchte ich euch zwei Beispiele geben, die sehr viel über das Temperament der Typen aussagen und einen Hinweis geben, wer man selbst ist, bzw. wen man vor sich hat.
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Die Vier-Säfte-Lehre
Eigentlich soll sie ihre Ursprünge im Alten Ägypten haben, doch bekannt geworden ist sie durch Hippokrates (ein paar Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung). Er gilt als “Vater der Medizin” und hat die Humoraltherapie, auch Vier-Säfte-Lehre, bekannt gemacht - auf die im Übrigen heute noch viele Kräuterfrauen verweisen.
Bei der Vier-Säfte-Lehre geht es in erster Linie darum, dass die Gesundheit des Menschen von der ausgewogenen Mischung der vier Körpersäfte abhängt. Bei den vier Körpersäften und ihren Qualitäten handelt es um:
die gelbe Galle (warm und trocken)
die schwarze Galle (kalt und trocken)
den Schleim und (kalt und feucht)
das Blut (warm und feucht)
Wenn also ein Ungleichgewicht dieser Säfte besteht, entsteht laut dieser Lehre Krankheit. Die Säfte können dann je nach Jahreszeit schwanken. Im Frühling überwiegt Blut, im Sommer gelbe Galle, im Herbst schwarze Galle und im Winter Schleim. Das Zuviel oder Zuwenig der Säfte wird dann mit dem Gegenelement behandelt: Wasser löscht Feuer und Erde stoppt Luft.
Der römische Arzt Galen hat dann einige Jahrhunderte später diese Lehre weiterentwickelt und mit den vier Elementen, vier Lebensaltern und vier Temperamenten verknüpft. Bei den vier Temperamenten kann man diese Lehre durchaus mit der Vintschger Typenlehre vergleichen!
Sanguiniker = Sonne
Choleriker = Neumond
Melancholiker = Vollmond
Phlegmatiker = Sonnenfinsternis
Im Laufe der Beschäftigung mit der Typenlehre sind mein Mann Ulrich Gutweniger und ich zum Schluss gekommen, dass es einen unterschiedlichen „Equalizer“ bei den Typen gibt, bei denen Gefühle, Verhaltensweisen, etc. verschiedene Prioritäten haben. Wenn auch die Kalibrierung bei jedem Menschen noch einmal individuell ist, so ist sie beim jeweiligen Typ annähernd ähnlich.
Beispiel Nr. 1 der Gemütsverfassung
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Kennt ihr das Gleichnis vom halb leeren bzw. halb vollen Glas? Wie empfinden es die jeweiligen Typen?
Der Neumond sieht es halb leer. Doch er macht sich sofort auf die Suche, das Glas ganz aufzufüllen. Nur wenn er keine Möglichkeit dazu findet, richtet er sich so gut wie möglich damit ein.
Der Vollmond tendiert ebenfalls dazu, das Glas als halb leer zu betrachten. Doch er geht dabei nicht in Aktion, sondern konzentriert sich vielmehr auf das Gefühl, das dieser Zustand bei ihm auslöst: Es tut ihm von Herzen leid.
Die Sonne hingegen sieht das Glas stets halb voll. Das Wort “Optimismus” ist wahrscheinlich auch von einer Sonne erfunden worden. Doch dabei belässt sie es nicht: Sie erzählen allen, wieso dieses halb volle Glas das Bestmögliche ist, was ihr hat passieren können!
Am ehesten kommt die Sonnenfinsternis darauf, dass das Glas zugleich halb leer UND halb voll ist, weil sie eben alle Möglichkeiten in Betracht zieht. Ist doch logisch, oder? Optimismus aus dieser Erkenntnis zieht aber nur die Sonnenfinsternis in der Kraft, ansonsten ist für sie dieser Zustand lähmend.
Beispiel Nr. 2 der Gemütsverfassung
Das zweite Beispiel ist eine Pararbel und karikiert die Verhaltensweisen der vier Typen. Sie wird genauso bei den 4 Temperamenten der Vier-Säfte-Lehre erzählt.
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Stellt euch vor, dass ein schmaler Weg der Wand entlang geht und ein großer Stein das Weiterkommen blockiert. Das Beispiel haben wir aus dem Buch der Vintschger Typenlehre heraus genommen.
Da kommt der erste daher, lässt sich davon nicht aufhalten, klettert und springt über den Stein hinüber, ohne auch nur einen Moment darüber nachzudenken, was sich dahinter verbirgt oder wieso der Stein gerade da ist. Es kann durchaus sein, dass dieser Stein als willkommenes Abenteuer auf diesem Weg betrachtet wird. Dieses Temperament entspricht der Sonne.
Ein anderer bekommt Angst, wenn er sich auf seinem Weg durch einen Stein blockiert sieht. Er setzt sich davor nieder und lässt seiner Trauer darüber, dass er den Weg nicht weiter beschreiten kann, freien Lauf. Dann wartet er eventuell auch darauf, dass ihn jemand tröstet. Und wenn jemanden wirklich jemanden findet, der ihm hilft und ihn vielleicht sogar hinüberträgt, dann ist das der Vollmond.
Der dritte bekommt einen Wutanfall, sobald er erkennt, dass da ein Stein auf seinem Weg liegt. Wer wagt es? Und wie kann der Stein selbst es wagen, sich ihm in den Weg zu stellen? Mit der Kraft seiner Wut sprengt er entweder den Stein, schiebt ihn beiseite oder hüpft darüber, je nach Größe des Steines. Neumond pur – er ist ab da in Kampfstimmung, achtsamer Krieger, der nach diesem Stein misstrauisch geworden ist, die Augen offen haltend, um zu erkennen, was ihm auf seinem Wege sonst noch blühen könnte…
Stößt hingegen der vierte auf den Stein auf seinem Weg, setzt er sich zuerst einmal davor nieder. Er beginnt nachzudenken. Wie ist der Stein beschaffen? Um welche Steinart handelt es sich? Gehörte der Stein schon immer zu diesem Weg oder ist er als Prüfung für ihn gedacht? Will ihm jemand den Stein in den Weg legen? Etc. etc. etc. Alle möglichen und unmöglichen Fragen rund um den Stein auf dem Weg wird er finden. Bevor er sie nicht für sich beantwortet hat, kommt er gar nicht zu Anderem. Die letzte aller Entscheidungen, ob er den Stein überwinden oder einen anderen Weg suchen soll, wird sicherlich erst nach Betrachtung der gefundenen Antworten aller anderen Fragen gefällt. Die Sonnenfinsternis lässt grüßen.
Dies ist eine Karikatur der Typen und es ist zu schauen, welche einen am ehesten entspricht… Oder das Gegenüber, mit dem man es zu tun.
Dieser ursprüngliche Beitrag ist in der ehemaligen Homepage vintschger-typenlehre.com am 10.05.2018 erschienen und wurde abgeändert. Die Beispiele stammen aus dem Buch “Die Vintschger Typenlehre - Sich selbst und andere besser verstehen”.